Buy & Build kann süchtig machen. Nach einer erfolgreichen Übernahme denkt man schnell: „Das lief gut – warum nicht gleich die nächste?“ Diese Versuchung kennt Kurt Schauer aus eigener Erfahrung. Jede Woche flattern bei ihm zwei, drei Angebote rein. Doch genau darin liegt die Gefahr: Wer ohne Plan kauft, verbrennt Energie – und Geld.
In seinem Beitrag im Buch „Lebenswerk mit Zukunft“ erklärt Schauer, der zwischen 2007 und 2025 zwölf Unternehmen übernommen hat, wann der richtige Zeitpunkt für die nächste Übernahme gekommen ist. Seine Erkenntnisse sind Teil eines einzigartigen Werks, das den konsequent externen Blick von 14 Experten vereint, die Familienunternehmen durch komplexe Nachfolgeprozesse begleiten.
Wachstum um jeden Preis? Keine gute Idee
Es gibt zwei Typen von Käufern im Buy-&-Build-Geschäft. Die einen sind Strategen: Sie kaufen gezielt – weil die neue Firma ins Portfolio passt, echte Synergien bringt und gut integrierbar ist. Jede Übernahme folgt einem klaren strategischen Ziel und stärkt das Gesamtportfolio.
Die anderen sind Jäger und Sammler: Sie kaufen, weil es gerade günstig ist oder sie Angst haben, etwas zu verpassen. Der Deal-Flow treibt die Entscheidung, nicht die Strategie. Das Ergebnis: ein unkoordiniertes Sammelsurium von Unternehmen ohne echte Synergien, überforderte Management-Kapazitäten und verbrannte Ressourcen.
Schauer war früher manchmal nah dran, in die zweite Kategorie abzurutschen. Doch jede Übernahme kostet – nicht nur beim Kauf, sondern vor allem danach. Integration ist der wahre Kraftakt. Die Erkenntnis: Erfolgreiche Buy-&-Build-Strategien erfordern Disziplin, Fokus und den Mut, Nein zu sagen.
Die drei entscheidenden Fragen vor jeder Übernahme
Schauer stellt sich vor jeder Übernahme drei zentrale Fragen, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden:
Frage 1: Bringt die Firma echten Mehrwert?
Gibt es neue Märkte, zusätzliche Kunden oder echte Synergien, die ohne diese Übernahme nicht erreichbar wären? Wenn die Antwort „irgendwie schon“ lautet, ist sie zu schwach. Echter Mehrwert ist messbar: erweiterte Produktpalette, Zugang zu neuen Kundengruppen, geografische Expansion, Know-how-Gewinn oder Kostensynergien durch Bündelung.
Wenn der Mehrwert nicht klar benennbar ist, sollten Käufer die Finger davon lassen. Vage Hoffnungen auf mögliche Synergien rechtfertigen keine Millionen-Investitionen. Erfolgreiche Käufer können vor der Unterschrift präzise benennen, welchen strategischen Wert die Übernahme bringt.
Frage 2: Habe ich die Kapazitäten?
Zeit, Geld, Managementbandbreite – bei mir und im Team. Diese Ressourcen sind endlich. Jede Übernahme bindet erhebliche Kapazitäten für Monate, oft Jahre. Die Integration erfordert persönliche Präsenz, kontinuierliche Steuerung und geduldige Kulturarbeit.
Wer bereits mit der Integration der letzten Übernahme kämpft, hat keine Kapazitäten für die nächste. Wer sein Team schon am Limit sieht, riskiert Überforderung und Burnout. Erfolgreiche Buy-&-Build-Strategen wissen: Ressourcen sind der Engpass, nicht Deals. Deshalb kaufen sie nur, wenn echte Kapazitäten verfügbar sind – nicht auf Basis von Hoffnung oder Optimismus.
Frage 3: Passt die Kultur?
Wenn es im Miteinander hakt, wird es teuer – und langsam. Kulturelle Passung ist schwer messbar, aber entscheidend. Unterschiedliche Führungsstile, divergierende Werte oder inkompatible Arbeitsweisen führen zu Reibungsverlusten, die jede noch so gute Strategie zunichte machen können.
Schauer achtet besonders auf: Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie ist der Umgang mit Fehlern? Welche Werte prägen das Unternehmen? Wie kommunizieren Führung und Mitarbeitende? Bei fundamentalen kulturellen Differenzen hilft auch der beste Kaufpreis nicht. Integration wird zum Kampf statt zur Chance.
Warum Schauer viele Angebote ablehnt
Oft heißt es: „Diese Firma passt perfekt zu Ihnen!“ Klingt gut – ist oft Quatsch. Wenn sie nicht zu Schauers klarem Fokus passt – Medien, Kommunikation, Logistik – lehnt er konsequent ab. Auch wenn es verlockend ist. Früher hätte er es aus Neugier versucht. Heute weiß er: Er muss seine Energie bündeln – für sein Ziel, die erfolgreichste Agenturgruppe im Süden aufzubauen.
Diese Fokussierung erfordert Mut. Sie bedeutet, auf vermeintlich attraktive Gelegenheiten zu verzichten. Sie verlangt, dem Druck von Beratern oder Investoren zu widerstehen, die schnelles Wachstum fordern. Aber sie ist der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg. Denn am Ende zählt nicht die Zahl der Käufe – sondern ob daraus etwas Stabiles, Wertvolles entsteht.
Timing ist entscheidend: Integration braucht Zeit
Die nächste Übernahme macht nur Sinn, wenn die letzte integriert ist. Prozesse müssen harmonisiert sein, Menschen müssen sich als Team verstehen, Kunden müssen stabilisiert sein. Bei Schauer vergeht meist ein Jahr zwischen zwei Deals. Nicht, weil es keine Angebote gibt – sondern weil Integration Zeit braucht.
Viele Käufer unterschätzen die Dauer der Integration massiv. Sie glauben, nach drei Monaten sei alles erledigt. Die Realität sieht anders aus: Kulturelle Integration, Prozessharmonisierung, Vertrauensaufbau und die Realisierung von Synergien brauchen Zeit. Wer zu früh die nächste Übernahme startet, gefährdet beide Integrationen. Das Ergebnis: halb integrierte Unternehmen, die weder eigenständig funktionieren noch echte Synergien realisieren.
Buy & Build ist ein Marathon, kein Sprint
Erfolg im Buy & Build braucht mehr als Kapital und gute Deals. Er braucht Disziplin, strategische Klarheit und den Mut, Nein zu sagen. Denn am Ende zählt nicht die Zahl der Käufe – sondern, ob daraus etwas Stabiles entsteht. Schauers Fazit nach zwölf Übernahmen: Buy & Build ist kein Trophäensammeln. Es ist Strategie in Reinform – für Unternehmer mit Weitblick und Geduld.
Die erfolgreichsten Buy-&-Build-Strategien entstehen nicht durch maximale Geschwindigkeit, sondern durch kluge Selektion, professionelle Integration und nachhaltiges Wachstum. Jede Übernahme muss zum Gesamtbild passen, Kapazitäten müssen vorhanden sein, und die Kultur muss harmonieren. Nur dann entsteht echter Wert.
Der externe Blick für strategische Klarheit
Kurt Schauers Erkenntnisse basieren auf zwölf Übernahmen und unzähligen Learnings – aus Erfolgen wie aus Fehlern. Als externer Begleiter von Nachfolgen im Mittelstand bringt er die Objektivität mit, die viele Insider vermissen lassen. Im Buch „Lebenswerk mit Zukunft“ vereinen sich solche Perspektiven von 14 Experten, die zusammen über 300 Jahre Praxiserfahrung mitbringen.
Was dieses Buch besonders macht: Der konsequent externe Blick aller Autoren deckt systematisch die blinden Flecken auf, die Insider oft nicht sehen. Es bietet authentische Praxis statt akademischer Theorie, reale Fallbeispiele aus hunderten Nachfolgeprozessen und konkrete Handlungsempfehlungen für sofortige Umsetzung.
Den vollständigen Originalbeitrag „Fit für Buy & Build? – Worauf Käufer achten, wenn sie kleine Unternehmen übernehmen“ von Kurt Schauer findest du im Buch „Lebenswerk mit Zukunft“ und einen kostenlosen Auszug findest du unter Kapitelauszüge kostenlos lesen
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die nächste Übernahme?
Nur dann, wenn die letzte Übernahme vollständig verarbeitet ist, Ihr Team Kapazitäten frei hat und die neue Firma strategisch sowie kulturell passt. Diese drei Bedingungen sind nicht verhandelbar. Wer sie ignoriert, riskiert den Erfolg beider Übernahmen. Buy & Build ohne Strategie ist wie Lotto spielen – nur teurer. Wer wahllos kauft, sammelt keine Unternehmen, sondern Probleme. Der externe Blick hilft dabei, diese strategische Disziplin beizubehalten und emotionale Schnellschüsse zu vermeiden.