Nachfolge bedeutet weit mehr als die Auswahl eines Nachfolgers. Im deutschen Mittelstand hängt das Vertrauen in ein Unternehmen zu großen Teilen an den handelnden Personen. Geschäftspartner kennen sich oft persönlich, die Beziehungen sind gewachsen und basieren auf langjähriger Verlässlichkeit. Ein Führungswechsel ist daher nicht nur eine wirtschaftliche, sondern vor allem eine kommunikative Herausforderung, die mit Fingerspitzengefühl gemeistert werden muss.
Dieser Beitrag basiert auf dem Kapitel „Familienname als Marke: Wie Kommunikation Tradition und Unternehmenserfolg verbindet“ von Alexander Bittner, Geschäftsführer einer Agentur für Kommunikation und Werbung, aus dem Buch „Lebenswerk mit Zukunft“.
Phase 1: Die geheime Vorbereitungsphase
In dieser Phase findet die Vorbereitung der Nachfolge im engsten Familienkreis statt. Die Vertraulichkeit ist besonders wichtig, um Spekulationen zu vermeiden. Dennoch sollte bereits jetzt ein grober Kommunikationsplan entwickelt werden.
Phase 2: Vertraute ins Boot holen
Ausgewählte Vertraute werden eingeweiht – Schlüsselpersonen aus dem Management, Beiratsmitglieder oder externe Berater. Die Herausforderung: Diese Menschen zu Verbündeten machen und ihre Perspektiven einholen, ohne die Information unkontrolliert zu streuen.
Phase 3: Die Entscheidung – Klarheit schaffen
Die Nachfolgeentscheidung ist gefallen. Die Selbstkommunikation des Übergebers und des Nachfolgers spielt eine zentrale Rolle: Beide müssen für sich klären, welche Rolle sie künftig einnehmen wollen. Diese innere Klarheit ist die Voraussetzung für eine glaubwürdige Kommunikation nach außen.
Phase 4: Interne Kommunikation – die Belegschaft mitnehmen
Bevor die Nachricht nach außen dringt, muss die Belegschaft informiert werden. Alexander Bittner berichtet von einem Nachfolger, der bewusst auf Dialog setzte: „Ich habe die ersten Wochen mehr Fragen gestellt als Anweisungen gegeben.“ Seine Vision kommunizierte er an alle Mitarbeitenden – nicht nur an Gesellschafter oder Führungskräfte. Diese visionäre Ansprache war ein wichtiger Schritt der Erneuerung. Wertschätzung, Partizipation und Transparenz sind zentrale Elemente, um interne Akzeptanz zu schaffen.
Phase 5: Die Botschaft nach außen tragen
Nach der internen Klärung wird die Nachfolge öffentlich gemacht. Ziel ist, Vertrauen und Kontinuität zu signalisieren. Alle relevanten Zielgruppen müssen gezielt angesprochen werden:
- Kunden brauchen Botschaften zu Verlässlichkeit und Innovation
- Zulieferer zur wirtschaftlichen Kontinuität
- Fachpresse erhält gezielte Pressemitteilungen
- Lokale Medien werden über die Entwicklung informiert
- Politische Vertreter werden direkt eingebunden
Hier empfiehlt es sich, mit einer Kommunikationsagentur zusammenzuarbeiten, um alle Stakeholder professionell zu erreichen. Diese Phase ist nicht nur ein Abschluss, sondern zugleich ein strategischer Neustart.
Phase 6: Die Konsolidierungsphase
Die Nachfolge ist vollzogen, doch die Kommunikation geht weiter. Regelmäßige Updates, transparente Kommunikation über Erfolge und Herausforderungen sowie die konsequente Umsetzung der angekündigten Vision schaffen nachhaltig Vertrauen.
Die Botschaft: „Wir dürfen jetzt dies. Wir machen jetzt endlich das.“
Eine klare, positive Neuausrichtung ist entscheidend. Es geht nicht nur um Namen, sondern um Werte. Ein Familienunternehmen bleibt ein Familienunternehmen – auch wenn der Nachfolger nicht mehr denselben Nachnamen trägt. Familienunternehmen unterscheiden sich dabei grundlegend von Konzernstrukturen: Sie müssen individuell entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für eine Nachfolgeregelung gekommen ist.
Warum professionelle Nachfolgekommunikation entscheidend ist
Die Nachfolge ist eine vielschichtige Herausforderung. Eine klare, strategische Kommunikation sichert das Vertrauen der Belegschaft, der Geschäftspartner und der Öffentlichkeit. Wer den Prozess professionell begleitet und die Prinzipien der Selbstkommunikation, des Dialogs und der öffentlichen Kommunikation beachtet, schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft. Das Buch „Lebenswerk mit Zukunft“ ist einzigartig, weil es den wertvollen externen Blick von 14 Experten vereint, die hunderte Nachfolgeprozesse begleitet haben – von Psychologie über Kommunikation bis zu M&A und Recht.
Den vollständigen Originalbeitrag von Alexander Bittner findest du im Buch „Lebenswerk mit Zukunft“ und einen kostenlosen Auszug findest du unter Kapitelauszüge kostenlos lesen