Lebenswerk mit Zukunft

Teambasierte Nachfolge: Wenn mehrere Führungskräfte gemeinsam übernehmen

Was tun, wenn das Familienunternehmen für einen einzelnen Nachfolger zu groß ist, aber institutionelle Investoren kein Interesse zeigen? Teambasierte Übernahmestrukturen bieten einen innovativen dritten Weg, der die Stärken mehrerer Führungskräfte bündelt und gleichzeitig finanzielle Risiken verteilt.

Dieser Beitrag basiert auf den praxiserprobten Erkenntnissen aus Kapitel 20 „Zwischen den Stühlen – Zu klein für Private Equity, zu groß für Management Buy-out – und jetzt?“ aus dem Buch „Lebenswerk mit Zukunft“, verfasst von Dr. Markus Dirr, der als externer Geschäftsführer innovative Nachfolgemodelle für Familienunternehmen entwickelt.

Die Idee ist bestechend einfach: Statt einen einzelnen Superhelden zu suchen, der alle notwendigen Kompetenzen vereint und gleichzeitig Millionen aufbringen kann, teilen sich mehrere Führungskräfte die unternehmerische Verantwortung und das finanzielle Engagement.

Wie funktioniert ein Management-Team-Buy-out?

Bei der teambasierten Übernahmestruktur bilden drei bis fünf Führungskräfte ein komplementäres Team, das gemeinsam verschiedene Dimensionen der Unternehmensführung abdeckt. Die typischen Ausprägungen sind vielfältig:

  • Management-Team-Buy-out: 3 bis 5 interne Führungskräfte übernehmen das Unternehmen gemeinsam
  • Hybrides Führungsteam: Kombination aus internen und externen Führungskräften mit unterschiedlichen Kompetenzen
  • Kompetenznetzwerk: Fachexperten verschiedener Spezialgebiete wie Technik, Vertrieb und Finanzen bilden ein Führungsteam

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis zeigt die Wirksamkeit: Ein mittelständischer Spezialmaschinenhersteller mit 23 Millionen Euro Umsatz und 112 Mitarbeitern stand vor dem Generationswechsel ohne familieninterne Nachfolge. Die Lösung war ein Führungstrio: Der technische Leiter mit 25 Jahren Betriebszugehörigkeit, der Vertriebsleiter mit 12 Jahren Erfahrung und ein extern rekrutierter CFO übernahmen in unterschiedlichen Anteilen von 40/35/25 Prozent die Gesellschafteranteile.

Die überzeugenden Vorteile

Teambasierte Nachfolgelösungen bieten mehrere strategische Vorteile, die sie besonders attraktiv machen:

  • Verteilung des finanziellen Risikos auf mehrere Schultern macht die Übernahme überhaupt erst möglich
  • Kombination komplementärer Fähigkeiten deckt alle kritischen Unternehmensbereiche ab
  • Höhere Kreditwürdigkeit durch breitere Eigenkapitalbasis erleichtert die Finanzierung
  • Kontinuität und Innovation durch Mix aus internen und externen Kräften
  • Robustere Führungsstruktur, die weniger abhängig von einzelnen Personen ist

Das erwähnte Maschinenbauunternehmen erzielte nach der teambasierten Übernahme ein beeindruckendes Wachstum von 18 Prozent in den ersten drei Jahren. Die Kombination aus technischer Expertise, Vertriebsstärke und moderner Finanzsteuerung ermöglichte nicht nur die Fortführung, sondern eine signifikante Weiterentwicklung.

Herausforderungen proaktiv meistern

Natürlich bringt die teambasierte Struktur auch spezifische Herausforderungen mit sich, die von Anfang an adressiert werden müssen:

  • Erhöhter Governance-Aufwand: Klare Entscheidungsstrukturen und Verantwortungsbereiche sind unerlässlich
  • Konfliktpotenzial: Unterschiedliche Perspektiven erfordern professionelle Konfliktlösungsmechanismen
  • Exit-Strategien: Was passiert, wenn ein Teammitglied aussteigen möchte?
  • Komplexere Verträge: Gesellschaftsverträge und Finanzierungsstrukturen werden aufwendiger

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der professionellen Vorbereitung: Detaillierte Gesellschaftsverträge regeln von Anfang an Entscheidungswege, Konfliktlösungen und Exit-Szenarien. Ein externer Beirat kann zusätzlich als neutrale Instanz bei strategischen Meinungsverschiedenheiten fungieren.

Finanzierung intelligent strukturieren

Ein typisches Finanzierungsmodell für ein 19-Millionen-Euro-Unternehmen könnte folgendermaßen aussehen: Das Führungstrio bringt gemeinsam 2,2 Millionen Euro Eigenkapital auf und übernimmt zunächst ein Anteilspaket von 40 Prozent. Die weiteren 60 Prozent werden über ein differenziertes Modell strukturiert: 30 Prozent über ein Verkäuferdarlehen mit EBITDA-gekoppelter Tilgung, 30 Prozent verbleiben beim Eigentümer mit Put-Option nach fünf Jahren, ergänzt durch eine stille Beteiligung einer regionalen Mittelstandsgesellschaft.

Den vollständigen Originalbeitrag mit weiteren Lösungsmodulen und konkreten Finanzierungsbeispielen finden Sie im Buch „Lebenswerk mit Zukunft“ und einen kostenlosen Auszug finden Sie unter Kapitelauszüge kostenlos lesen

Das Besondere an diesem Buch: „Lebenswerk mit Zukunft“ bietet keine theoretischen Modelle, sondern authentische Erfahrungen aus hunderten begleiteten Nachfolgeprozessen. 14 externe Experten teilen ehrlich ihre Erfolge und Misserfolge – für praxisnahe Lösungen, die wirklich funktionieren.